Erfahrungen nach 365 Tagen im Freiwilligen Sozialen Jahr beim DUCKDALBEN

Wechsel der jungen „crew“ – Großes Geburtstagsfest erste Herausforderung für die Neuen

Sechsmal vergeblich über die Elbbrücken, hin und her

und wieder auf’s Neue – wie kommt man endlich zum Holthusenkai, um Seeleute mit dem DUCKDALBEN-Kleinbus vom Schiff abzuholen? Und wie bloß findet man wieder zurück nach Waltershof in den international seamen’s club? Ziemlich verzweifelt war Juliane Pinkepank damals im August 2008: „Meine bisherige Autofahrerfahrung war mit dem geliehenen Opel Astra meiner Mutter in Salzgitter, wo so gut wie gar nichts los ist. Und jetzt plötzlich der gesamte Hamburger Hafen!“ Derart ausgedehnt hatten sie sich den Hafen nicht vorgestellt. Auch die 20jährige Kachina Barmbold aus Neuhaus an der Oste schmunzelt heute über ihre Naivität: „Ich dachte, das ist vielleicht ein Terminal mit ein paar Liegeplätzen. Aber so riesig...!“

Die ersten Tage im Freiwilligen Sozialen Jahr brachten für die fünf jungen Menschen im DUCKDALBEN so manche Überraschung.

Zunächst waren sie alle nervös und angespannt: Wie soll ich mir die unzähligen Positionen der Scanner-Kasse merken, wenn die Seeleute die Dinge des täglichen Bedarfs einkaufen möchten? Dann die vielen verschiedenen Währungen! Verstehen die Gäste mein Schulenglisch, lachen sie mich vielleicht sogar aus, wenn mir Wörter fehlen? Vor allem: Verstehe ich die Bitten und Anliegen der Seeleute aus aller Welt, die Abend für Abend in den Club kommen - immerhin 120 pro Tag im Schnitt, aus insgesamt 110 Nationen? Bange Fragen am Anfang. Inmitten all des Trubels, erinnert sich Pierre Hellermann, drangen immer wieder dieselben Worte an sein Ohr: Es klang wie pon car. Pon car? Car? Irgendetwas mit Auto? Und es wurde einfach ein zehn Dollar-Schein auf den Tresen gelegt. Nach geraumer Zeit ging Pierre ein Licht auf: Dies war die Bitte um eine phone card, also eine Telefonkarte für zehn Dollar, die die philippinischen Seeleute kaufen wollten, um vom DUCKDALBEN aus kostengünstig mit ihren Familien in der Ferne zu telefonieren.


Würden am liebsten auch nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr im DUCKDALBEN bleiben: Jens Triegel, Tilman Boyn, Pierre Hellermann, Kachina Barmbold und Juliane Pinkepank (v.l.n.r.)


An das Seefahrer-Englisch, den Slang und die Dialekte haben sich alle in kurzer Zeit gewöhnt. Pierre Hellermann, in Frankreich geboren, kamen seine Französischkenntnisse zugute. Der 21jährige ist zweisprachig aufgewachsen und hat es genossen, sich mit so manchem Seemann in dessen Muttersprache zu unterhalten. Ebenso ging es dem Hamburger Jens Triegel, der Spanisch spricht.

Eigentlich dachte Tilman Boyn aus Oldenburg, dass sie im DUCKDALBEN viel mehr Zeit haben würden, um mit den Seeleuten zu reden, dass es darum gehe, Seefahrer im international seamen’s club zu betreuen. „Doch der DUCKDALBEN ist in erster Linie Dienstleister. Er bietet einen Service für die Seeleute, der einen extrem hohen Standard hat. Und das ist genau das, was die Gäste wollen und brauchen!“ Deshalb findet der 21jährige Arbeit und Angebot sinnvoll. „Auch beim Verkaufsgespräch wechselt man ein paar persönliche Worte, und während der Busfahrten ist oft Zeit für einen längeren Austausch.“

Den Helm geschnappt und losgezogen zu Bordbesuchen

– so hat Jens Triegel zusätzlich zu seiner Arbeitszeit intensive Begegnungen mit Seeleuten auf den Schiffen gehabt. Er und ein ehrenamtlicher Bordbetreuer sind nicht nur mit den DUCKDALBEN-Kleinbussen zu den Terminals gefahren, wo Schiffe zum Laden und Löschen liegen. Auch die Auflieger an den Dalben und die Werftenlieger haben sie besucht. Stadtführungen hat der 21jährige organisiert und sogar eine Kanutour, damit die Rumpf-Mannschaften einmal herunterkommen vom Schiff und etwas anderes sehen als nur die Hamburger Skyline vom Wasser aus.

Aufgeräumt haben sie alle mit der politisch korrekten Vorstellung, alle Menschen seien gleich. Sensible Antennen haben sie entwickelt, berichten Kachina Barmbold, Juliane Pinkepank und Tilman Boyn, gerade für die unterschiedlichen Ausdrucksformen und die kleinen Macken. Philippinische Seeleute, dies ist der Eindruck der Freiwilligen nach einem Jahr, bringen Ihre Dankbarkeit viel offener und überschwänglicher zum Ausdruck als beispielsweise Osteuropäer, die sie als verschlossen kennen gelernt haben. Hier komme der Dank oft ein wenig rau daher, aber nicht minder von Herzen. Pierre Hellermann nennt es, den „Weltblick lernen“. Der Hamburger Jens Triegel ergänzt: “Im Alltag in der Stadt kennt man ja eher Parallelgesellschaften. Ich fand es wunderbar zu sehen, wie hier im DUCKDALBEN in einem Haus an einem Tag Seeleute aus 18 verschiedenen Nationen miteinander ihre Freizeit gestalten. Türken, Russen, Südamerikaner, Inder – alle an einem Tisch!“


Nicht nur der Horizont habe sich erweitert,

der Blick auf das Leben hierzulande sei ebenfalls verändert, darin sind sich die fünf jungen Menschen einig. „Wir wissen mehr zu schätzen, was wir hier haben, wenn man hört, was in anderen Ländern abgeht“, sagt Juliane Pinkepank. Nachdenklich fügt Kachina Barmbold hinzu: „Zum Beispiel, dass die Schulbildung hier umsonst ist. Die meisten Seeleute fahren doch nur deshalb zur See, damit sie das teure Schulgeld für ihre Kinder aufbringen können. Dafür sehen sie ihre Kinder fast überhaupt nicht, weil sie die ganze Zeit weit fort von zu Hause auf dem Schiff sind.“

Clubleiter Jan Oltmanns möchte dieses Team am liebsten gar nicht ziehen lassen: „Eine ganz tolle Zusammenarbeit hat dieser Jahrgang gezeigt! Sie waren unglaublich aufmerksam, haben ein feines Gespür ausgeprägt und sofort erkannt, wo Arbeit anlag und sich sogar freiwillig zusätzliche Aufgaben gesucht.“ Das schönste Kompliment bekommt der DUCKDALBEN wiederum von Jens Triegel: „Jeden Tag bin ich gerne hierher gekommen und habe mich auf die Arbeit für die Seeleute gefreut.“ Erstaunt waren die fünf, welches Vertrauen in sie gesetzt wurde und welch’ große Verantwortung zu tragen ihnen die hauptamtlichen Mitarbeiter des DUCKDALBEN zugetraut haben. Getragen und gestützt habe sie sich gefühlt, beschreibt es Kachina Barmbold. Und Pierre Hellermann wird fast ein bisschen pathetisch: „Mir hat dieses Jahr die Weltangst genommen.“ Von beiden Seiten eine hohe Meßlatte für die Neuen.

Die fünf Neuen im Freiwilligen Sozialen Jahr sind Theda Campen aus Norden, Ellen Geiser aus Heinsberg in Nordrhein-Westfalen, Robert Heineke aus Lübeck, Maximilian Liebert aus Pinneberg und Leon von der Burg aus Hamburg. Sie hatten ihre erste Bewährungsprobe bereits am Sonnabend, den 15. August anlässlich des DUCKDALBEN- Karaoke-Wettbewerbs. Der nächste Großeinsatz folgte kurz darauf beim schon legendären DUCKDALBEN-Geburtstagsfest, das am  29. August 2009 stattfand.

Angelika F. Pfalz

 

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