Wechsel der jungen „crew“ im Freiwilligen Sozialen Jahr beim DUCKDALBEN

Es holpert noch ein wenig, als er sich am Telefon meldet,
doch flugs erinnert sich der „Neue“ daran, daß Englisch die Geschäftssprache im international seamen’s club ist. Hauke Wulff ist einer der fünf jungen Menschen, die gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr im DUCKDALBEN begonnen haben. „Es ist alles so aufregend!“ strahlt der 18jährige. Der erste Tag, der erste Dienst - noch liegen gut 360 Tage vor ihnen.
Aus Gino Rausch sprudeln die ersten Eindrücke nur so heraus:
„Zwei Telefone klingeln gleichzeitig, über Funk ruft ein Fahrer, einer der Kleinbusse hält vor der Tür, sechs Seeleute springen Dir plötzlich entgegen, laufen auf den Tresen zu, möchten im Shop einkaufen, der Kleinbusfahrer will `ne neue Tour, um wartende Seeleute von irgendeinem Terminal abzuholen – und das alles möglichst sofort….“ Treffend beschreibt der 20jährige aus Vorpommern den alltäglichen Streß und Trubel für die, die hier arbeiten, um den Seeleuten ein paar entspannte Stunden Freizeit im Club zu bieten.
Den anderen um eine Nasenlänge voraus ist Till Erler.
Seit Kindergartentagen kennt der 18jährige den Alltag im Seemannsclub. Damals schon war er dabei, um den Weihnachtsbaum für die Feier im DUCKDALBEN zu schmücken. Als er sich für sein Sozialpraktikum in der Oberstufe den Club ausguckte und etwas tiefer in die Arbeit eingetaucht ist, war für ihn völlig klar, seinen Zivildienst innerhalb des Freiwilligen Sozialen Jahres hier abzuleisten. „Gleich an meinem ersten Arbeitstag hatte ich deshalb die Aufgabe an der Backe, sämtliche Rückfahrdienste mit den vier DUCKDALBEN-Kleinbussen für die Seeleute im Club zu ihrem jeweiligen Schiff zu organisieren.“ Alle Fünf beeindruckt, welche Verantwortung ihnen von Anfang an übergeben und zu übernehmen von den hauptamtlichen Mitarbeitern zugetraut werde.
Nicht nur den kostenlosen shuttle service vom und zum Schiff
reibungslos abzuwickeln gehört dazu. Im kleinen Shop können die Seeleute einkaufen, von Schokolade über Schweinekrusten zum Knabbern, Telefonkarten, Währungen wie malaysischer Ringgit, ägyptisches Pfund oder brasilianischen Real in US-Dollar oder Euros wechseln, Geldüberweisungen zur Familie rund um den Globus veranlassen, kostenlos ins Internet gehen, nach Hause telefonieren oder per skype vielleicht zum allerersten Mal das Neugeborene in der fernen Heimat betrachten. Die gesamte Palette des Service-Angebots lernen die fünf Freiwilligen zu managen, die Wünsche der Gäste zu verstehen auf Englisch mit allen Sprachfärbungen der Welt.
In- und auswendig lernen sie vor allem den Hafen kennen.
Wer, wie Veronika Bartonitschek aus Köln, mehr mit Ausflugsdampfern auf dem Rhein vertraut ist, nimmt in der Hansestadt zunächst nur ein Wirrwarr wahr aus Containern und Kränen ohne Zahl. „Jetzt aber erkenne ich: Der Hafen hat Struktur.“, berichtet die 19jährige nach ihrer ersten großen Rundfahrt durch den Hafen mit seinen Container-Terminals, Getreidesilos, Erzhalden und riesigen Flächen für Fahrzeuge, die auf ihre Verschiffung im Bauch der kastenförmigen Autotransporter warten. Damit sich die „Frischlinge“ die über 70 Terminals und die Wegstrecken dorthin genau einprägen, kutschiert ein erfahrener Ehrenamtlicher die jungen Freiwilligen in die entlegensten Winkel des Hamburger Hafens. Schließlich müssen sie in Kürze beim kostenlosen Fahrdienst des DUCKDALBEN beherrschen, wie sie mit einem der Kleinbusse zügig dort ankommen, wo sie hinwollen - im Dunkeln, bei Regen, Glatteis, Stau oder Umleitungen. Er bringt Ihnen bei, daß es zum Afrikaterminal und wieder zurück fast eine Stunde dauert. Kalkulieren sie ihre Fahrzeit zu knapp, stehen die wartenden Seeleute bei so manchem Terminal schutzlos im Freien, in brüllender Hitze, bei Eiseskälte oder Dauerregen. Die Neulinge trainieren mit Eifer, was sich hinter den Ortsangaben Schuppen 48, SWT, Kipaukai oder Harburg 1 verbirgt, daß NHG eigentlich ADM ist, und sie Hansaport keinesfalls mit Buss Hansa verwechseln dürfen. Was ist jetzt rechts vom Köhlbrand? Wo ist Schuppen 84? Wie komme ich dorthin? Was wird dort gelöscht, geladen? Ellerholz – oder Argentinienbrücke? Fragen und Antworten schwirren hin und her. Sie üben „Echtzeit“. Bald sollen sie vom Club aus über Funk den anderen eine zuverlässige Wegbeschreibung liefern.
„Alter Schwede, ist das alles groß!“
entfährt es Hauke Wulff während der Fahrt beim Rundblick von der Köhlbrandbrücke. Seine Familie stammt aus Altenwerder und mußte Hof und Dorf für den Bau des Containerterminals CTA aufgeben. Für manche seiner Angehörigen nach wie vor schwer, er selbst sei damals noch gar nicht geboren gewesen.
Staunend schüttelt die Hamburgerin Henriette Aschermann ein bißchen den Kopf
über sich selbst und lacht: “Hamburger Hafen – das waren für mich bislang die Landungsbrücken!“ Sie ist begeistert und sieht sich in ihrer Entscheidung für den DUCKDALBEN schon in den allerersten Tagen bestätigt. „Ich hätte nach der Zwölften ein Jahr im Supermarkt an der Kasse Geld verdienen können. Aber ich wollte etwas tun, was mir persönlich und anderen etwas bringt. Deshalb bin ich hier.“
Im Seemannsclub, beschreibt Gino Rausch seine Erfahrungen,
habe er in einem Tag mehr mitgenommen, als bei der Bundeswehr in einem ganzen Monat. Vor allem werde er mit Respekt behandelt, genau wie die Seeleute, ob sie aus den Philippinen, Rußland, der Ukraine, China oder aus welchem Land auch immer kämen. „105 Seeleute aus 11 Nationen an einem Abend alle zusammen hier.“, ergänzt Hauke Wulff. Das genau hat Henriette Aschermann ebenfalls gereizt: Viele unterschiedliche Menschen und ihre Geschichten. „Andere Einblicke in anderer Leute Leben“, nennt die 19jährige dies. „Den Weltblick lernen - und daß meine Arbeit etwas bewirkt.“
Und die Kölnerin Veronika Bartonitschek
wird nach wenigen Bordbesuchen im Hamburger Hafen wissen, daß „die wackelige Leiter auf‘s Schiff“, wie sie es ausdrückt, Gangway heißt und der „Steuerraum vom Kapitän“ gemeinhin als Brücke bezeichnet wird.
Angelika F. Pfalz, 2010

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